Landau.
Mit einem Pressetermin starteten diese Woche an der Mittelschule Landau offiziell mehrere über das Startchancenprogramm finanzierte Unterstützungsprojekte. In Zusammenarbeit mit dem Kreis Caritasverband Landau baut die Schule ein umfassendes System zur weiteren Förderung von Schülern sowie zur Entlastung der Lehrkräfte auf.
Das Startchancenprogramm ist laut Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend das größte und langfristigste Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. 4.000 Schulen werden in den kommenden zehn Jahren mit zusätzlichen 20 Milliarden Euro unterstützt. Der Fokus dieses Programms liegt auf der Förderung von Schulen mit sozial benachteiligten Schülern, mit dem Ziel, Chancengerechtigkeit zu erhöhen und Basiskompetenzen zu stärken. Etwa eine Million Schüler sollen von diesem Programm profitieren.
Im Landkreis Dingolfing-Landau wurden neben der Mittelschule Landau auch die Grundschule Landau, die Pfarrer-Huber-Schule, die Grundschule Dingolfing-Altstadt und die Berufsschule Dingolfing ausgewählt. In Summe sind es bayernweit nur 500 Schulen.
Das Startchancenprogramm ist dabei ein auf drei Säulen basierendes Programm.
Nur für die erste Säule (Investitionen in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung und die zweite Säule (Chancenbudgets für bedarfsgerechte Lösungen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung) geht das Geld direkt an die Schule. Für die dritte Säule (Personal zur Stärkung multiprofessioneller Teams) sollten die Schulen hingegen einen Träger gewinnen, der in der sozialen Arbeit zu Hause ist, Personal bereitstellt und anstellt und an der Schule unterstützend wirkt.
Caritas entwickelt Konzept in kürzester Zeit
"Es freut mich, dass wir mit dem Konzept und den Mitarbeitenden, die wir anbieten können, tatsächlich überzeugen können", sagte Martin Hohenberger, Geschäftsführender Vorstand der Caritas Landau, bei der Vorstellung der Projekte. "Wir haben uns viel getroffen, diskutiert und nachgebessert, und am Ende hatten wir ein sehr gutes Konzept, welches das Schulamt für gut befunden hat."
Nachdem das Konzept das Schulamt überzeugt hatte, dauerte es auch nur ein paar Stunden, bevor es die Regierung von Niederbayern absegnete. Innerhalb von nur sechs Wochen konnte ein solch tragfähiges Konzept erstellt und durch drei Behörden genehmigt werden.
"Das Besondere an dem Bundesprogramm ist, dass es wirklich offen und flexibel in seiner Ausgestaltung und für jede Schule zugeschnitten ist", erklärte Hohenberger. Es gibt ähnliche Projekte in Nachbarlandkreisen, welche dies teilweise ganz anders machen, als es das Konzept für die Mittelschule Landau vorsieht. Im Zentrum der Überlegung für das Konzept stand die Frage: Was benötigen die Schüler und wie können sie an der Mittelschule in ihrer aktuellen Situation unterstützt werden?
Soziale und emotionale Herausforderungen
Das Konzept soll dauerhafte und stabile Unterstützungsstrukturen ermöglichen, die angesichts zunehmender sozialer, emotionaler und organisatorischer Herausforderungen im Schulalltag immer dringender benötigt werden. Ein weiteres Ziel ist es, Schülerpotenziale frühzeitig zu erkennen, die Übergänge in Ausbildung und Beruf zu sichern und die Schule als verlässlichen Lern- und Lebensraum weiterzuentwickeln.
Daher fokussierte man sich an der Mittelschule Landau hauptsächlich auf die Erweiterung der bestehenden Angebote. "Wir hatten zunächst einmal die große Idee gehabt, dass wir etwas für die Berufsbegleitung machen", so Christian Ehrenreich. In der Mittelschule gibt es bereits ein Angebot, allerdings nicht in dem Umfang und der Flexibilität, wie es jetzt möglich ist.
So steht neben dem Berufsberater Christian Pleschek den Schülern künftig auch Andrea Rohrmaier zur Seite. In Kooperation mit dem Berufsberater wird sie Schülern künftig eine weiterführende individuelle Berufsorientierung anbieten, Praktika begleiten und Bewerbungstrainings durchführen, um die Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen.
Experten begleiten die Schüler im Schulalltag
Aber auch die Lehrkräfte bekommen etwas Unterstützung. Die Pädagogin Nataliia Muliar, welche aus der Ukraine fliehen musste und seit vier Jahren in Deutschland lebt, wird ein flexibles und bedarfsgerechtes Unterstützungsangebot aufbauen. Zu ihrem Aufgabengebiet zählt auch, Schüler im Unterricht zu begleiten und zu stabilisieren.
Eine weitere Unterstützung bieten Elektrotechniker Ludwig Hiergeist, Schreinermeister Michael Starzer, Hotelbetriebswirtin Sieglinde Kettl und Betreuungsassistentin Maria Eisenreich. "Wie jeder sicher weiß, haben wir mit sieben Schülerfirmen, die höchste Firmendichte an Schulen weltweit", scherzte Christian Ehrenreich.
Diese ist eine zentrale pädagogische Möglichkeit, den Schülern anzubieten, was sie interessiert, wo sie Stärken haben, und infolgedessen auch das Selbstbewusstsein zu stärken. "Wir sind froh, dass wir jetzt Unterstützung durch kompetente Persönlichkeiten bekommen", sagte Ehrenreich. Alle bringen unterschiedliche fachliche Hintergründe und Erfahrungen aus der Sozialarbeit, Beratung, praktischer Anleitung und Bildungsarbeit mit und werden die Schüler individuell begleiten sowie Lehrkräfte im schulischen Alltag wirksam unterstützen. Alle vier haben sich die Schülerfirmen bereits angeschaut und durften deren Möglichkeiten schon kennenlernen und freuen sich schon, ihre Erfahrung einzubringen und mit den Schülerinnen und Schülern zusammenzuarbeiten. Martin Hohenberger ist zudem mit der Anstellung von Beatrix Oeser ein weiterer Coup gelungen. Sie ist seit vier Jahren die Koordinatorin der offenen und gebundenen Ganztagsbetreuung und managt dort bereits ein Team von neun Personen. Jetzt arbeitet sie auch Teilzeit für die Caritas und fungiert als Ansprechpartnerin für die sechs Unterstützungskräfte, welche ab jetzt an der Mittelschule tätig sind. "Das Projekt läuft ab jetzt bis zum 31. Juli", sagte Hohenberger. Wie bei Schulprojekten üblich, sind diese nur auf ein Schuljahr befristet und laufen zum Ende des Schuljahres aus. "Wir haben anfangs debattiert, ob wir diese drei Monate wirklich machen oder ob das nicht etwas zu kurzfristig ist, aber wir haben gesagt, wir nehmen die drei Monate als Orientierung mit", erklärte Hohenberger.
Mit den Erfahrungen aus diesen drei Monaten beabsichtigt man im kommenden September dann richtig durchzustarten.
Dreifachturnhalle könnte von Fördergeld profitieren
Aber nicht nur die dritte Säule wird in Landau in Anspruch genommen. "In der ersten Säule geht es jetzt um eine Bezuschussung von einmalig 875.000 Euro für eine bauliche Maßnahme", erklärte Schulleiter Ehrenreich.
Es wäre schön, wenn man mit dieser Förderung den geplanten Neubau einer Dreifachturnhalle neben der Grund- und Mittelschule unterstützen könnte.
Für die Caritas selbst ist der Einstieg in dieses Programm ebenfalls ein großer Schritt nach vorn. Mit dem Startchancen-Programm wird in der Caritas ein neuer Dienst aufgebaut, welcher aus dem Nichts bereits jetzt mit sieben Angestellten nach der Sozialstation der zweitgrößte Dienst in der Caritas ist.