Landau.
Zehn Jahre gibt es in Landau die
Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas.
Andrea Rücker-Weier ist von Anfang an dabei und blickt zurück. Mit ihrer Kollegin Miriam Arlt
erklärt sie, warum es die Arbeit ihres Teams nach wie vor braucht.
"Wenn ich will, dass Leute sich integrieren, dann muss ich ihnen die Möglichkeit geben,
nachfragen zu können", findet Rücker-Weier. Der Bedarf sei da. Denn die Strukturen in den
Ländern sind unterschiedlich. "Es geht darum zu lernen, so läuft es in Deutschland. Das ist ein
Prozess. Ich kann nicht erwarten, dass es innerhalb von zwölf Monaten passiert." Darum
brauche es die Beratungsstelle für Geflüchtete und Migranten, die etwa zum Arbeiten nach
Deutschland kommen, nach wie vor.
Als Andrea Rücker-Weier vor zehn Jahren die Stelle antritt, ist die Flüchtlings- und
Integrationsberatung (FIB) für sie Neuland. An ihrem ersten Arbeitstag ist sie nach Simbach in
eine Gemeinschaftsunterkunft gefahren, erinnert sie sich. An einem großen Tisch saßen
arabische Männer, einer sprach Englisch. "Ich habe was erklärt, er hat es wieder erklärt, das
war unglaublich kompliziert." Jeder wollte etwas sagen. Es wurde immer lauter und Rücker-
Weier musste erst einmal für Ruhe sorgen. "Das war für mich ein ganz neues Erlebnis. So viele
Menschen auf einmal, die aus einer anderen Kultur kommen und Fragen haben ohne Ende."
Manche konnte sie nicht sofort beantworten. Aber er war eine wahnsinnige Dankbarkeit da,
dass sie in die Unterkunft gekommen war, erinnert sich Rücker-Weier.
"Wir sind die Erstanlaufstelle, wenn Menschen in Deutschland ankommen." Zu allererst geht es
um die existenziellen Bedürfnisse. Bis jetzt, wo momentan weniger Geflüchtete im Landkreis
ankommen, habe sie nur "den Feuerlöscher gespielt". Sie hat geschaut, dass sie die
Asylbewerberleistung oder Jobcenterleistungen bekommen, die Kinder in den Kindergarten
gehen, dass es in der Schule passt. Nun beginne die Integration. "Jetzt geht es um die
Ausbildung, um Jobs. Darum, dass die Menschen endlich aus den Unterkünften rauskommen."
Bei alldem versucht die FIB zu unterstützen. Das Team der Beratungsstelle hilft bei Bewerbungsschreiben oder versucht ein Praktikum zu finden. Viele wollen arbeiten, dürfen es
aufgrund ihres Status nicht und das schafft Frust, weiß Rücker-Weier. Noch dazu, wenn sie auf
engem Raum in den Unterkünften sitzen. "Diesen Frust versuchen wir in den Sprechstunden
abzufangen."
Viele Geflüchtete waren wohlhabend, nur so konnten sie sich die Flucht leisten. Hier
angekommen haben sie nun den Stempel Flüchtling. Davon müssen sie wegkommen, um ein
neues Leben aufbauen zu können. Deutsch lernen, eine Ausbildung machen, das seien die
wichtigsten Voraussetzungen, um bleiben zu dürfen. "Wenn die Menschen hierherkommen,
schwimmen sie total", beobachtet Miriam Arlt. "Und wir sind wie eine Boje" - ein sozialer
Kontakt mit den Behörden, an den sie sich halten können und der sie leitet. An manchen
Fragen merke sie, dass ihnen viel vertraut wird.
Natürlich bringe die Arbeit auch schwere Momente mit sich. Zum Beispiel wenn versucht wird,
die Mutter über den Familiennachzug zu holen und man weiß, man kann nicht helfen, sagt
Arlt. Rücker-Weier erinnert sich an eine Frau mit Kleinkind, die in der Sprechstunde bei ihr war,
als sie erfuhr, dass ihr Mann gefallen ist.
Aber es gibt auch die positiven Geschichten. Fast drei Jahre hat es gedauert, bis sie es
geschafft hatten, den Sohn einer Frau nachzuholen. Als sich die beiden am Flughafen in den
Armen lagen, "war das ein Moment, den ich nicht missen will", sagt Rücker-Weier.
In den Anfangsjahren haben viele Ehrenamtliche ihre Arbeit unterstützt. Das habe rapide
abgenommen. Egal, wie viel Zeit sie haben, Ehrenamtliche werden immer gesucht. Die FIB
setzt auch auf Hilfe zur Selbsthilfe. Über WhatsApp-Gruppe können Fragen gestellt werden
und wenn jemand schon selbst diesen oder jenen Antrag ausgefüllt hat, kann er weiter helfen.
"Nur über solche Wege können wir versuchen, Integration selbstständig voranzutreiben. Dass
sie nicht immer auf uns angewiesen sind", sagt Rücker-Weier.
Die Ausstellung zeigt nun Bilder und Geschichten der Geflüchteten. "Uns ist wichtig, klar zu
machen, dass die Erwartungshaltung, die viele an die Menschen haben, zu hoch ist. Dass es
Zeit braucht, um sich zu integrieren", sagt Rücker-Weier. Und man solle sehen, "was für eine
Arbeit und Energie Integration kostet", ergänzt Arlt. - rc
Der Kreiscaritasverband Landau lädt zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 1. Oktober,
um 16 Uhr in den Kastenhof. Die Ausstellung ist bis 4. Oktober zu sehen. Freitag und Sonntag
von 14 bis 17 Uhr, am Samstag von 11 bis 17 Uhr. Am 3. Oktober gibt es einen Vortrag um 18
Uhr von Marlene Schönberger (Bündnis 90/Die Grünen) zum Thema
Verschwörungserzählungen. Anmeldungen hierfür und für die Eröffnung sind bis Freitag, 25.
September, unter migration@caritas-landau.de oder 09951/985123 notwendig.