Landau.
"Ein guter Jahresabschluss sichert das Heute. Neue Ideen sichern das Morgen", sagt Martin Hohenberger. Beides hat der Caritasverband Landau. Das stellte Geschäftsführender Vorstand Hohenberger bei seinen Ausführungen während der Mitgliederversammlung am Mittwochabend im Pfarrsaal unter Beweis. Er versprach, dass die Dienste der Caritas trotz hoher Kosten und sinkender Zuschüsse aufrechterhalten würden - und stellte neue Projekte vor.
"Landkreis, Bezirk und Diözese ziehen sich finanziell immer stärker zurück", bedauerte Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Petra Appinger bei der Begrüßung der Mitarbeiter, Mitglieder und Ehrengäste. Zwar müsse auch die Caritas wirtschaftlich denken, man wolle aber als christlicher Wohlfahrtsverband auf keinen Fall den sozialen Aspekt hinten anstellen, so Appinger. Man müsse sich also selber helfen. Der "richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit" sei mit dem Geschäftsführenden Vorstand Martin Hohenberger gefunden, sagte die Aufsichtsratsvorsitzende.
Nach einem geistlichen Impuls durch Stadtpfarrer August Lindmeier ergriff Hohenberger das Wort. "Wir stehen auf einem soliden Fundament", so eine Botschaft. Die belegte er mit Zahlen. Dem vom Wirtschaftsprüfer abgesegneten Jahresabschluss 2025 war zu entnehmen, dass die Bilanzsumme auf 2,2 Millionen Euro gestiegen ist (2024: 1,98 Millionen Euro) und das Eigenkapital mit einer Eigenkapitalquote von 74,6 Prozent (2024: 69,1 Prozent) deutlich gestärkt werden konnte. Mit einer "guten finanziellen Handlungsfähigkeit" sei man gut gerüstet für die anstehenden Herausforderungen, kündigte der Chef des Kreis-Caritasverbands Landau an.
Die Erträge seien um fast 14 Prozent auf 4,36 Millionen Euro gestiegen. "Mehr Erträge bedeuten mehr Leistungen und eine größere Reichweite", freute sich Hohenberger. Gleichzeitig hat der Verband mit hohen Personalkosten von über drei Millionen Euro und gestiegenen Sachkosten zu kämpfen.
Das Wichtigste im Verband seien die Menschen, betonte Hohenberger und dankte den 104 hauptamtlichen Mitarbeitern, 73 ehrenamtlich Engagierten und 326 Mitgliedern ausdrücklich. Sie hätten 2025 durch ihre enormen Leistungen zu einem erfolgreichen Jahr gemacht; zusammen habe man viel erreicht. Ambulante Pflege und Hauswirtschaft entwickeln sich stabil weiter, die Tagespflege LebensGlück wurde aufgebaut, neue Kooperationen und Förderpartner konnte die Caritas gewinnen - und die Präsenz und Wahrnehmung in der Region weiter stärken.
"Breit aufgestellt", aber hoher Eigenanteil nötig
Als kleiner Kreiscaritasverband sei Landau "echt breit aufgestellt" mit seinen 15 Dienstleistungen, Einrichtungen und Diensten. Problem sei aber der hohe Eigenanteil von 300.000 Euro pro Jahr, den die Caritas zu leisten habe. "Nicht, weil irgendjemand meiner Mitarbeiter einen schlechten Job macht. Wir arbeiten hart, aber es reicht halt einfach nicht", betonte Hohenberger mit Blick auf Sozial- und Flüchtlingsberatung, Sozialpsychiatrischen Dienst, Offene Behindertenarbeit oder Tageszentrum.
Die Zuschüsse der Kirche reichten zur Refinanzierung schon lange nicht mehr aus. Auch an die Politik appellierte Hohenberger: "Da muss was passieren." Denn gleichzeitig steht die Caritas vor wachsenden Herausforderungen.
Eine davon sind die hohen Energiekosten, zum Beispiel für den Sprit, den die 35 Autos des Kreis-Caritasverbands Landau jeden Tag benötigen. Auch das Wort "Bürokratieabbau" kann Hohenberger schon nicht mehr hören. Im sozialen Bereich werde die Dokumentationspflicht immer mehr. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Qualität, während der Bedarf an Unterstützung immer mehr wird. "Einfacher wird's nicht", stellte der Caritas-Chef fest. Trotzdem sei man weiterhin zur Stelle. "Wenn die Not bei den Menschen größer wird, ist die Caritas da - und wir handeln", versprach er.
Sich als Verband auf andere zu verlassen, dazu ist Macher Hohenberger nicht der richtige Typ. "Stillstand ist keine Option", stellte er klar - und präsentierte zwei Projekte, mit denen er positiv in die Zukunft blickt: Das Bundesangebot "Startchancenprogramm" richtet sich an Schüler, die schwierige Startbedingungen im Schulalltag haben, individuelle Förderungen bekommen, begleitet und beraten werden. Die Landauer Mittelschule ist als eine von 4.000 ausgewählten Schulen deutschlandweit bereits mit an Bord, die Pfarrer-Huber-Schule und die Grundschule sollen, die Entscheidung der Regierung von Niederbayern vorausgesetzt, noch folgen.
Neu ab August hat die Caritas außerdem einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für seelische Notlagen im Angebot. "Da werden Menschen befähigt, seelische Krisen wahrzunehmen, Belastungen anzusprechen und den Weg zu professioneller Hilfe zu ebnen", erklärte Hohenberger.
Lobende Worte gab es im Anschluss von Stefan Seiderer, Vorstand des Caritasverbands für die Diözese Passau, Landratsstellvertreter Thomas Hieninger, Bürgermeister Matthias Kohlmayer und Bezirksrätin Monika Maier für die Weitsicht beim Caritas-Kreisverband.
von Johannes Bäumel