Landau.
Es wird ein einzigartiges Projekt in der Region: Auf dem ehemaligen Lebenshilfe-Grundstück in der Marienhöhe plant der Kreis-Caritasverband Landau ein "Lebensquartier", einen Wohnpark für alle Generationen mit bezahlbaren Wohnungen und Räumen für Begegnungen. Die gemeinnützige "Etairos-Stiftung" hinter der die Unternehmerfamilien Horsch und Leeb stehen, hat das 15.000 Quadratmeter große Areal für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft. Die Caritas wird Generalmieter.
Am Freitagvormittag fand dazu eine Pressekonferenz im Rathaus statt. Bereits am Mittwochabend stellte Martin Hohenberger, Geschäftsführender Vorstand des Kreis-Caritasverbands Landau, das Projekt Caritas-Mitgliedern, Mitarbeitern und Kommunalpolitikern vor und am Donnerstag dem Stadtrat. "Wir möchten keinen Wohnblock bauen, sondern ein ,Lebensquartier‘ entwickeln", sagt Hohenberger. Sein Ziel: Ein Ort, an dem Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammenleben, sich begegnen können und gegenseitige Unterstützung finden. Geplant sind in der Marienhöhe sozialverträgliche Wohnungen - barrierefrei und bei Bedarf mit zubuchbaren Betreuungs- und Pflegeangeboten.
Viele sind einsam und suchen Anschluss
Das Herzstück des neuen "Lebensquartiers" in zentraler Lage soll eine "soziale Mitte" bilden, kündigt Hohenberger an. Angedacht sind Gemeinschaftsräume, eine Cafeteria, eine Gemeinschaftsküche zur Verpflegung im Quartier, Veranstaltungs- und Beratungsräume sowie Außenbereiche mit Bewegungspark, einem Obstgarten und Möglichkeiten für Treffpunkte. Alles werde nach einem ökologischen Energieversorgungskonzept entstehen, verspricht der Caritas-Chef.
Dass dieses Vorhaben genau in die Zeit passt, begründet Hohenberger mit den gesellschaftlichen Entwicklungen. Immer mehr Menschen seien einsam, würden alleine leben, gleichzeitig werde die Bevölkerung immer älter. Dazu kommt, dass bei vielen der finanzielle Druck steigt.
Das "Lebensquartier", so seine Vision, soll Menschen in ihrer individuellen Lebenssituation und mit unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden und für sie eine Heimat im Herzen Landaus schaffen. "Entscheidend ist, was zwischen den Menschen entsteht."
Dabei betont Hohenberger, dass es sich um keinen sozialen Wohnungsbau im klassischen Sinn handeln werde. "Wir wollen kein Viertel schaffen, in das nur Menschen mit Bezugsschein dürfen und keinen sozialen Brennpunkt, sondern einen guten Mix." Dafür werde auch ein Katalog mit Belegungskriterien entwickelt.
Der Kaufvertrag mit der Kirche - mittlerweile fand der Notartermin mit dem Investor statt - ist unterschrieben (siehe Text unten). Darin ist geregelt, dass das Grundstück ausschließlich für soziale Zwecke genutzt werden darf.
Aktuell befindet man sich noch in der Konzeptphase und will im August in die konkrete Planung gehen. Hand in Hand mit Stiftung, Stadt und Kirche soll ein Gebäudekonzept entwickelt werden und die Caritas wird das Quartier betreiben. Die genauere Entwurfsplanung und Vermarktung starten erst später. "Wir entwickeln gemeinsam mit der Nachbarschaft eine lebendige Gemeinschaft", sagt Hohenberger. Wichtig war ihm, frühzeitig an die Öffentlichkeit zu gehen, damit Bürger in die Gestaltung eingebunden werden.
Beim langjährigen Kirchenpfleger Jürgen Stadler und seiner Nachfolgerin Michaela Piller rennt Hohenberger mit seinem Projekt offene Türen ein, sagen sie beim Pressegespräch. Denn die Lebenshilfe Dingolfing-Landau hatte bereits 2016 darum gebeten, vorzeitig aus dem Erbpachtvertrag entlassen zu werden, um sich in Sachen Grundstück anderweitig zu orientieren. Seitdem sei man bemüht gewesen, Wohnraum auf sozialer Basis zu schaffen und Investoren ins Boot zu holen. Dann sei vor zwei Jahren mit Martin Hohenberger der "neue Hoffnungsträger" gekommen. Auch bei der Pfarrkirchenstiftung, vertreten durch Tobias Denz, freut man sich "sehr darüber, was da oben in der Marienhöhe entsteht".
Bezahlbarer Wohnraum ist selten geworden
Für Josef Sonnleitner, der als Finanzdirektor die finanziellen Geschicke im Bistum Passau leitet, spiegelt das Projekt das aktuell große Spannungsfeld in der Gesellschaft wider: "Auf der einen Seite haben wir Bedarf an sozialem Wohnraum, auf der anderen Seite stehen die Kostensituation und die Frage, wie man überhaupt bezahlbaren Wohnraum schaffen kann." Er spricht von einer "guten Fügung" für die Diözese und die Stadt Landau, die gemeinnützige Stiftung "Etairos" für das Projekt gewonnen zu haben.
Details über "Etairos" nannte Geschäftsführer Theodor Leeb vom Landtechnik-Hersteller Horsch Leeb. In Landau sei man schon vor Jahren mit der Stadt in Kontakt gewesen, um ein sozial orientiertes Wohnbauprojekt zu starten - nun wurden vertrauensvolle Partner gefunden.
Investor verzichtet auf die Rendite
Die Werte der Stiftung und die der Caritas würden gut ineinandergreifen. "Für mich ist es kein reines Stiftungsprojekt mehr, sondern ein Projekt mit Kirche, Caritas, Stadt und uns als Investor", sagt Leeb. Auf Rendite verzichtet die gemeinnützige Stiftung. So kann die Caritas die Wohnungen zu ganz anderen Preisen anbieten als viele kommerzielle Investoren.
von Johannes Bäumel