Landau.
"Der Erste Hilfe Kurs in seelischen Notlagen (HSN) wird genauso selbstverständlich
wie der normale Erste Hilfe Kurs." Davon ist Martin Hohenberger, Geschäftsleitender Vorstand
der Kreiscaritas Landau, überzeugt. Am Mittwoch begann der Ausbildungskurs für Anleiter in
diesem Fachgebiet im Pfarrsaal St. Maria.
"Wir haben über 30 Jahre diese Entwicklung miterlebt", bekräftigte zu Beginn Sandra
Hindelang, die Leiterin der Beratungsstelle. Nur die Hilfe bei seelischen Notlagen ist nicht im
selben Maße angewachsen wie die Menschen, die davon betroffen sind. Inzwischen ist sie
sicher: "Jeder kennt jemanden oder ist selbst betroffen." Sie sagte in großer Runde: "Aus
meiner Sicht ist das ein ganz wesentliches Projekt in dieser Zeit."
Lions Club unterstützt mit 8000 Euro
Das sieht auch Robert Elsberger so. Der frühere Präsident des Lions-Clubs sagte der Caritas
die Unterstützung zu und finanziert die zweieinhalbtägige Ausbildung mit 8000 Euro. Willy
Miksch kam zum Kursbeginn als Vertreter der Lions. Er ist so sehr von der Wichtigkeit
überzeugt, dass er gleich selber einer von 16 Teilnehmern geworden ist. Er möchte dieses
Thema nicht nur für sich, sondern im ganzen Lions-Distrikt "pushen". Seine Kollegin Sabine
Putz, Jugendbeauftragte des Lions Clubs, nennt diese Förderung sogar "ein Herzensanliegen".
Menschen zu helfen, gelinge selten so wie bei diesem Thema und natürlich unterstütze der
Lions Club gerne Menschen, denen es nicht so gut gehe und hier greife der HSN-Kurs richtig
an.
Martin Hohenberger übersetzt HSN mit "Hinschauen, Sprechen und Netzwerken".
16 Teilnehmer werden an zweieinhalb Tagen ausgebildet, um künftig selber Menschen in der
Betreuung bei seelischen Notlagen schulen zu können. Die Psychologen Marina Scheele und
Michael Frenzel, beide auch Mitarbeiter an Universitäten, sind die Referenten. Das wichtigste
sei, die seelische Notlage zu erkennen, stellen beide von Beginn an klar, worum es geht.
"Das hier ist was Tolles", ist Scheele begeistert, denn das Projekt werde wissenschaftlich
begleitet und sei sehr nachhaltig aufgebaut. "Es ist schon das Ziel, uns zu einer Vorzeigeregion
zu machen", bestätigt Hohenberger.
"Wir wollen das Selbstbewusstsein in der Breite stärken", ist ein Antrieb von Scheele, also dass
man sich traut, Menschen anzusprechen, von denen man den Eindruck hat, dass sie Hilfe
brauchen.
Der Anleiterkursist erst der Auftakt
Wer diesen Anleiterkurs erfolgreich absolviert, erhält die Möglichkeit, bei erfahrenen
Ausbildern zu hospitieren und die werden dann auch darauf vorbereitet, einen eigenen Kurs
zu halten. Ziel ist, dass in Landau künftig freie Kurse angeboten werden.
An einem Nachmittag sollen dann Teilnehmer Anzeichen seelischer Not erkennen können und
lernen, die Menschen einfühlsam anzusprechen. Erfolgreich könne man dann erst werden,
wenn an die richtige Stelle weitervermittelt wird. Das Programm wurde an der Universität
Regensburg entwickelt.
Hohenberger will mehr. Er möchte, dass Vereine und Verbände ihre Jugendleiter ausbilden
lassen, dass Lehrer oder Unternehmer ihre Mitarbeiter ausgebildet werden oder dass ein
Referent zu einem Elternabend kommt. "Helfen in seelischer Not" werde immer wichtiger.
"Schön, dass die Caritas und auch der Lions Club das erkannt haben", zeigt sich Sandra
Hindelang dankbar.
Text: Bernhard Nadler, LNP