Landau.
(fle) Im Rahmen des Treffpunkts für pflegende Angehörige hat Barbara Mittnacht am Donnerstag einen Vortrag zum Thema häusliche Pflege gehalten. Diese ist in Deutschland die häufigste Form der Versorgung: Rund vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen betreut, oftmals unterstützt durch ambulante Pflegedienste und Leistungen der Pflegeversicherung.
Unter dem Titel "Pflege zu Hause - Herausforderungen gut meistern" beleuchtete Barbara Mittnacht die körperlichen und psychischen Belastungen, die mit einer Pflegesituation verbunden sein können. Besonders einschneidend sei häufig die Veränderung der bisherigen Rollenverhältnisse innerhalb der Familie. Wenn Eltern, die über viele Jahre hinweg selbstständig und verlässlich waren, plötzlich auf Hilfe angewiesen sind, stelle dies viele Angehörige vor emotionale Herausforderungen.
Dabei verlaufe jede Pflegesituation unterschiedlich. Eine Rolle spielen unter anderem die familiäre Beziehung sowie die räumliche Entfernung zwischen Pflegebedürftigen und Angehörigen. Während die Betreuung von Eltern im gleichen Haus oder in unmittelbarer Nähe andere Anforderungen mit sich bringt, entstehen bei größeren Entfernungen zusätzliche Belastungen durch häufige Fahrten und den damit verbundenen Zeit- und Kostenaufwand. Nicht selten können in solchen Situationen auch frühere familiäre Konflikte wieder an die Oberfläche treten. Gleichzeitig sei die Umstellung auch für die Pflegebedürftigen selbst schwierig, wenn gewohnte Tätigkeiten plötzlich nicht mehr ohne Hilfe möglich sind.
Barbara Mittnacht machte deutlich, dass Gefühle wie Trauer, Angst, Wut, Überforderung oder Einsamkeit in Pflegesituationen völlig normal seien. Wichtig sei jedoch, diese Gefühle wahrzunehmen und offen damit umzugehen. Bei Bedarf sollten Angehörige Unterstützung in Anspruch nehmen.
Im weiteren Verlauf ihres Vortrags gab die Referentin praktische Hinweise zum Umgang mit psychischen und körperlichen Belastungen. Diese beträfen sowohl Pflegebedürftige als auch pflegende Angehörige. Belastungen und Überlastungen seien in Pflegesituationen nichts Ungewöhnliches und könnten sich sehr unterschiedlich äußern. Entlastung könnten Gespräche, Massagen oder krankengymnastische Maßnahmen bringen. Darüber hinaus verwies Mittnacht auf verschiedene Unterstützungsangebote wie ambulante Pflegedienste, Essen auf Rädern, hauswirtschaftliche Hilfen oder technische Hilfsmittel. Viele dieser Leistungen würden zumindest teilweise von den Pflegekassen übernommen.
Durch regelmäßige Auszeiten Kraft schöpfen
Abschließend appellierte Barbara Mittnacht an die pflegenden Angehörigen, auch auf die eigene Gesundheit zu achten. Regelmäßige Auszeiten seien wichtig, um neue Kraft zu schöpfen. Treffen mit Freunden, Spaziergänge, sportliche Aktivitäten oder Entspannungsangebote könnten dabei helfen, die eigene Belastbarkeit zu erhalten. Entscheidend sei, solche Freiräume bewusst einzuplanen, feste Zeiten dafür festzulegen und daraus eine verlässliche Routine zu entwickeln.