Landau.
Manchmal zeigt sich der Kern sozialer Arbeit nicht in einem Gespräch, einer Sitzung
oder einem Konzept - sondern in einer Küche, in der gemeinsam geschnippelt, gelacht,
probiert und gekocht wird. Genau so war es im
Tageszentrum Frohsinn,
als Martin Hohenberger, geschäftsführender Vorstand des Kreis-Caritasverbandes Landau, zum
Kochlöffel griff und mit Besuchern, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen einen italienischen
Mittagstisch auf die Beine stellte.
Für knapp 30 Besucher sowie Mitarbeitende des Verbandes entstand ein Menü. Als Gruß aus
der Küche gab es geröstetes Toskanabrot mit Zitronen-Ricotta-Creme, im Ofen langsam
geschmorten und leicht getrockneten Kirschtomaten, Basilikumpesto und Balsamico-
Reduktion. Es folgte ein sommerlicher Blattsalat mit Mango, Blaubeeren, Mini-Mozzarella und
gerösteten Cashewkernen. Als Hauptgang wurden Tortiglioni Rigati mit zwei Saucen serviert:
klassisch al Pomodoro sowie kräftig-würzig alla Siciliana dello Chef mit italienischer Hartsalami,
Oliven, Kapern und Sardellen.
Als Chef persönlich vor Ort sein
Doch während in der Küche die einzelnen Zutaten zusammenkamen, entstand auch etwas
anderes: ein gemeinsames Erlebnis, an dem jeder mitwirken konnte. Hohenberger kochte
dabei nicht einfach für die Besucher des Tageszentrums. Er entschied sich bewusst dafür,
dorthin zu gehen, wo Caritas konkret erlebt wird - mitten in den Alltag, mitten zu den
Menschen und mitten in die Gemeinschaft.
"Für mich gehört es zu meiner Verantwortung als geschäftsführender Vorstand, nicht nur
Entscheidungen zu treffen, sondern auch persönlich dort präsent zu sein, wo unsere Arbeit bei
den Menschen ankommt. Dieser Tag war mir deshalb ein echtes Anliegen. Gemeinsam mit den
Besuchern zu kochen, mit anzupacken und am Ende miteinander am Tisch zu sitzen, zeigt für
mich sehr unmittelbar, wofür Caritas steht: füreinander da sein, miteinander gestalten und
niemanden außen vor lassen. Dass dabei so viel Freude und Gemeinschaft entstanden ist, war
für mich persönlich etwas ganz Besonderes", sagt Hohenberger.
Genau darin liegt die besondere Stärke des Tageszentrums Frohsinn. Als niedrigschwellige
Einrichtung zur Förderung der seelischen Gesundheit bietet es Menschen mit psychischen
Erkrankungen einen verlässlichen Ort für Tagesstruktur, Begegnung, Aktivität und soziale
Kontakte. Ziel ist es unter anderem, Selbstbestimmung, Eigeninitiative und
Handlungskompetenzen zu stärken und positive Erfahrungen im Alltag zu ermöglichen.
Tatkräftige Unterstützung erhielt Hohenberger von Besuchern, Mitarbeitenden sowie den
beiden Ehrenamtlichen Andrea und Hans Reindlmeier, die ihre Freizeit zur Verfügung stellten.
und mit allen Beteiligten in der Küche anpackten.
Auch für
Stephanie Friedberger, Stellenleitung des Tageszentrums Frohsinn,
war dieser gemeinsame Tag deshalb etwas Besonderes: "Ich bin Martin sehr dankbar, dass er sich die Zeit
genommen und diesen Tag so persönlich mit uns gestaltet hat. Es war unglaublich wertvoll
und gleichzeitig sehr lustig. Besucher, Mitarbeitende und Ehrenamtliche haben gemeinsam
angepackt, und man konnte richtig spüren, wie viel Freude dabei entstanden ist. Am Ende
haben wir nicht nur ein wunderbares Essen miteinander geteilt, sondern vor allem einen Tag,
an dem Gemeinschaft, Zugehörigkeit und gegenseitige Wertschätzung ganz selbstverständlich
gelebt wurden."
Gerade für Menschen, die durch eine psychische Erkrankung zeitweise aus sozialen
Zusammenhängen herausfallen können, sind solche Erfahrungen wertvoll. Sich einbringen zu
können, gebraucht zu werden, gemeinsam zu lachen und am Ende mit anderen am Tisch zu
sitzen - all das sind kleine, aber wichtige Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und
Zugehörigkeit.
Im kommenden Jahr feiert der Kreis-Caritasverband Landau sein 50-jähriges Bestehen,
gleichzeitig steht für das Tageszentrum Frohsinn das 10. Jubiläum an. Die Themen Essen,
Kochen und Begegnung sollen rund um beide Jubiläen eine wichtige Rolle spielen. Der
italienische Kochtag war damit nicht nur eine besondere Aktion für die Besucher, sondern
durchaus auch eine erste kleine Generalübung für die größeren Ereignisse, die im
Jubiläumsjahr bevorstehen.
Das war nicht die letzte Koch-Aktion
Wie gut diese Generalübung ankam, zeigte sich schließlich ganz unmittelbar. Eine Besucherin
war vom gemeinsamen Kochen und Essen so begeistert, dass sie Hohenberger zum Abschluss
kurzerhand fragte: "Das machst du jetzt aber schon jede Woche einmal, oder?" Ganz so häufig
wollte sich der geschäftsführende Vorstand dann doch nicht verpflichten. "Einmal im Jahr
werde ich mich aber auf jeden Fall dazu hinreißen lassen, wieder den Kochlöffel oder vielleicht
auch einmal die Grillzange zu zücken", versprach Hohenberger mit einem Augenzwinkern.
Dass Hohenberger dabei neben dem Kochlöffel möglicherweise schon wieder an die nächsten
Vorhaben denkt, dürfte kaum überraschen. Rund um die Themen Kochen, Essen und
Begegnung arbeitet der Kreis-Caritasverband derzeit an zwei weiteren Projekten, die diese
Gedanken auf ganz unterschiedliche Weise weiterführen sollen. Noch will Hohenberger dazu
allerdings nicht zu viel verraten. Im Herbst sollen die Vorhaben erstmals öffentlich vorgestellt
werden. Nur so viel: Was beim gemeinsamen italienischen Kochtag im Tageszentrum im
Kleinen zu erleben war, könnte im Jubiläumsjahr an anderer Stelle noch einmal deutlich größer
werden.
Der Kochlöffel wurde an diesem Tag damit zu einem ganz einfachen, aber wirkungsvollen
Symbol: Caritas findet nicht nur dort statt, wo Hilfe organisiert wird. - lnp